"Verfemte Musik"
 

"Verfemte Musik"


Eine Welt brillanter Kompositionen von überschwänglicher Freude, zerreißender Melancholie, tiefer Trauer und ungebrochenem Lebenswillen – unentdeckt, verloschen, als hätte sie nie existiert. Von einem stummen Schrei erstickt, wartet sie auf ihre Wiederentdeckung.


In der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) wurde durch gezielte Propaganda in nur wenigen Jahren die Kulturszene und das kulturelle Leben maßgeblich beschränkt und der herrschenden Ideologie unterworfen. Nicht „arische“ Künstler, und solche, die aus künstlerischem Ethos oder politischen Gründen der nationalsozialistischen Gesinnung widersprachen, wurden in der Ausübung ihrer Kunst behindert, aus den Kulturgremien entfernt und mit öffentlichem Auftrittsverbot belegt.


„Entartete Kunst“ wurde schon 1937 im Rahmen einer Ausstellung im „Haus der Kunst“ in München gezeigt. Exponate von Kokoschka, Marc, Ernst und Klee wurden als abschreckende Beispiele gezeigt. Hitler erklärte dazu: „Wir werden von jetzt ab einen unerbittlichen Säuberungskrieg führen gegen die letzten Elemente unserer Kulturzersetzung.“ Ein Jahr später wurde in Düsseldorf im Rahmen der ersten „Reichsmusiktage“ die Ausstellung „Entartete Musik“ präsentiert. Sie griff Komponisten wie Arnold Schönberg, Kurt Weill und Hanns Eisler an, die nicht mehr gespielt werden durften und die, wie auch viele andere Künstler, Deutschland bereits verlassen hatten. Ab 1939 wurden vor allem jüdische Musiker, die nicht ins Exil geflohen waren, in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Nur wenige überlebten den Terror des Nationalsozialismus.


Anregung für die Beschäftigung mit dem weitgehend unbekannten Thema der verfemten Musik, erhielten die Künstler auch durch die Begegnung mit der in Jerusalem lebenden Pianistin und Meisterschülerin von Artur Schnabel, Edith Kraus. Daher bildet die weltweite Recherche und „Neuentdeckung“ jener Komponisten, die durch das Nazi-Regime an der Ausübung ihrer Kunst gehindert, ins Exil getrieben oder in Vernichtungslager deportiert und getötet wurden, einen wesentlichen Schwerpunkt ihres künstlerischen Lebens.


In einer Zeit, in der rechtsextremes Gedankengut wieder zu erblühen scheint, die Intoleranz zunimmt und „Wegsehen“ zum gesellschaftlichen Alltag gehört, hat es sich das Klavierduo zur Aufgabe gemacht, die Virtuosität dieser Zeit dem Vergessen zu entreißen und mit neuem Leben zu erfüllen um somit eine klangvolle aber unaufdringliche Stimme für Menschlichkeit und Courage zu sein, ohne in Pathos zu verfallen. Sie bilden damit einen außergewöhnlichen und hochinteressanten Gegenpart zum Konzertrepertoire unserer Zeit.